karl Holtz

Herbert Sandberg: Der freche Zeichenstift

Karl Holtz

Es ist eine Binsenweisheit, daß bewegte Zeiten auch bewegte Geister hervorbringen. Und so gesehen, sind die "Zwanziger Jahre", eine Zeit harter Klassenauseinandersetzungen, auch eine Zeit des Aufschwungs in Literatur und Kunst gewesen. Es entstand der Bund proletarisch revolutionärer Schriftsteller, großes politisches Theater wurde durch Piscator und Brecht begründet, Erich Weinert, Hanns Eisler und Ernst Busch rüttelten mit Vers und Lied das Proletariat auf, und auch in der bildenden Kunst entstand etwas Neues. Es war nicht mehr nur das Aufzeigen des Elends, wie es die geniale Käthe Kollwitz so meisterhaft in ihren grafischen Blättern formte.
George Grosz und John Heartfield schufen eine aggressiv-kritische Kunst, wie man sie in dieser klassenkämpferischen Konsequenz bisher noch nicht kannte. Andere Zeichner, wie Rudolf Schlichter und Karl Holtz, waren zu Beginn der zwanziger Jahre in den kommunistischen satirischen Zeitschriften "Knüppel" und "Pleite" zu sehen. Über Karl Holtz berichtet Prof. Dr. Ullrich Kuhirt im Vorwort des 1971 erschienenen Bändchens "Aus der Holtz-Kiste": "Schon 1919 erschien eine Zeichnung von ihm in der 'Roten Fahne'; in der Zeitschrift der damaligen 'Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei' (USPD) 'Freie Welt' gestaltete er zahlreiche Titelblätter, publizierte er viele Zeichnungen, immer zu aktuellen Tagesfragen. Ein anklingendes erzählerisches Moment verlor sich bald, die Aussage wurde schlagkräftiger, zielsicherer, und immer verriet sie einen ausgeprägten Sinn für das Witzige."
Und man sah die Zeichnungen von Karl Holtz in vielen Zeitschriften, in den "Lustigen Blättern", im "Simplizissimus", der "Jugend", im "Uhu" dem "Querschnitt", im "Stachelschwein" und später wurde er einer der Hauptzeichner im sozialdemokratischen "Wahren Jakob" in dessen Nachfolger "Lachen Links" und in der sozialdemokratischen Tageszeitung "Vorwärts", doch konnte man seine Zeichnungen auch in der AIZ (der kommunistischen Arbeiter-Illustrierten) sehen. Anfang der dreißiger Jahre zeichnete er viel für das linkssozialistische Witzblatt "Die Ente" und nach dem "Tausendjährigen Reich", das ihn auch mit Berufsverbot ehrte, im "Ulenspiegel" später im "Eulenspiegel" und in unseren Illustrierten.
Bei Emil Orlik lernte er sein Handwerk sehr gründlich. lm Gegensatz zu seinem Meister hat er sich zwar kaum mit dem Porträt beschäftigt, doch wurde seine Zeichentechnik so exakt, daß auf seinem Arbeitstisch nie Lineal und Zirkel fehlen durften.
Am 14. Januar kommenden Jahres feiert er seinen Fünfundsiebzigsten, draußen in seinem kleinen Häuschen in Rehbrücke, fünf Kilometer von Potsdam entfernt. Wir wollen zu den ersten Gratulanten gehören und wünschen ihm noch viele Jahre in Glück und Gesundheit. Vor 15 Jahren, im "Magazin" Nr. 11 des Jahrgangs 1959, zeigte ich, daß Holtz es auch verstand, seine "lineare" Feder und seinen "plakative" Tuschpinsel nicht immer nur politisch aggressiv anzuwenden. Oft hat er seine Leser, besonders in der "Ente", auch mit galantem Humor erfreut, ohne aber auch da seine kritische Ader zu verleugnen.